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17 März, 2018

Muslima. Veganismus. Halal. Wieso und geht das überhaupt?!

Comments : 1 Posted in : Artikel, Lifestyle on by : Serayi Schlagwörter: , , , ,

hey

Ich merke schon, dass das Thema Vegan und Muslima für viele ein “OH?! Moment ist. Was ich selbst in diesem Ausmaß nicht erwartet hätte. Seid ich dabei bin vegane Rezepte auf meinem Orient Blog zu veröffentlichen, häufen sich die Fragen in meinem Postfach und im Alltag. Freunde und Bekannte fragen mich, ob ich denn nun vegan lebe. Wieso ich das tue, und wie das mit dem Islam vereinbar ist? Ich dachte mir, ein Blogeintrag ist eine gute Möglichkeit dem ein oder anderen näher bringen zu können, was hinter dem Ganzen steckt. Weshalb ich kochen ohne Muh und Mäh in einer Zeit der Massentierhaltung als so bereichernd empfinde.

NEIN. ICH BIN KEINE “ÖKO” TANTE.

Haha! Ich musste wirklich lachen als ich gefragt wurde, ob ich denn nun zu den Öko’s beigetreten bin. Ich setze bewusst dieses Wort in Anführungszeichen, weil ich es schon unsinnig genug finde, ÖKO als Beleidigung ausführen zu wollen. Wenn mit ÖKO Menschen gemeint sind, die keine Lust auf vollgepumptes Antibiotika Zeugs von kranken Tieren haben. Man die Natur schätzt und liebt, genauso wie der Schöpfer sie erschaffen hat. In saftige Tomaten beißen möchte, die schmecken wie sie schmecken sollten, und nicht nur nach Chemie und Wasser, dann sind wir doch alle irgendwo “ÖKOS”, nicht wahr? Oder wer möchte schon geschmackloses Gemüse und kranke Tiere essen? Ich denke kein gesunder Menschenverstand würde das für gutheißen.  Somit wäre das dann wohl geklärt.

LEBE ICH VEGAN?

Nein. Nicht immer. Ich habe allerdings vor etwa zwei Jahren beschlossen Fleisch von meiner Liste zu streichen. Mir wurde dieser krankhafte Massenkonsum bewusst. Die schreckliche Tierhaltung vor den Augen gehalten. Und irgendwann konnte ich das mit mir, meinem Gewissen und meinem Glauben nicht mehr vereinbaren.

Ich fülle meinen Kühlschrank so gut wie immer mit tierlosen Produkten. Anstatt Frischkäse aus Milch, erfreue ich mich an einem Frischkäse der aus Mandeln hergestellt wurde. Allerdings gibt es hin und wieder Ausnahmen sobald auswärts gegessen wird. Dann gibt es auch mal vegetarisch. Genau deshalb kann ich nicht von mir behaupten, dass ich komplett vegan lebe. Doch vielleicht ermutigt gerade dies den ein oder anderen wieder mehr zur Natur zurück zu kommen. Sich klar zu machen, dass es nicht jeden Tag Fleisch sein muss.  Innerlich bewusster mit dem Thema umzugehen. So fing bei mir alles an. Schritt für Schritt. Langsam. Mal das eine, dann das andere ausprobiert. Und irgendwann sind Gerichte auf meinem Teller gelandet, die ich so nicht mehr missen wollte 🙂

MUSLIMA UND VEGAN? WENN ICH NICHT KOMPLETT VEGAN LEBE, WIESO FÜHRE ICH EINEN BLOG MIT VEGANEN REZEPTEN ?

Für mich ist mein Glauben mein persönlicher Leitfaden. Ich mache Fehler. Bin nicht perfekt. Doch wer ist das schon? Viel wichtiger ist es, jeden Tag sich selbst vorzunehmen, ein Stück zu wachsen. Ein Stück über sich hinaus. Jeden Tag ein kleines bisschen. Erst dann können wir es schaffen, ein klein wenig größer zu werden. Im Geiste. In der Seele. Ich versuche zu verinnerlichen, wie oft der Schöpfer über die Barmherzigkeit spricht. Wie oft erwähnt wurde, dass ein Tier etwas anvertrautes ist. Der Schöpfer uns gleich belohnt oder bestraft, ob wir nun einem Tier oder Menschen etwas GUTES oder BÖSES hinzufügen. Es wird gleich gestellt. Es hat mich unglaublich schockiert als ich darüber lesen musste, dass die Kühe deren Milch wir trinken, einer perversen künstlichen Befruchtung ausgesetzt werden. Nur damit sie immer schön Milch geben können. Immer funktionieren müssen. Immer. Weil wir nicht verzichten wollen und so tun, als wäre es etwas abnormales mal zur Haselnussmilch zu greifen. Durchgehend schwanger. Damit wie am Fließband die Milch verkauft werden kann. Das kann nicht gut gehen. So etwas nennt man Tierquälerei. Die Euter werden riesig. Eiter und Blut in der Milch. Ich habe mich irgendwo selbst ertappt gefühlt.
Ich bin in dieser Zeit auf eine Überlieferung des Propheten Muhammed (s.a) gestoßen. Dieser Satz von ihm hat in mir einiges ausgelöst.
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Prophet Muhammed (s.a)  sagte: Wenn die Kuh Milch gibt, so lasst das Kalb erst satt trinken. Bevor ihr die Kuh melkt, so kürzt eure Fingernägel damit die Kuh nicht verletzt wird. Und erst wenn das Kalb satt ist, eure Fingernägel gekürzt sind, könnt ihr die Milch trinken”

Diese Vorstellung empfand ich als viel barmherziger und behutsamer. Genau deshalb werde ich auch nicht abstreiten, dass im Islam das verzehren von Fleisch und Milchprodukten erlaubt ist. Doch ab wann ist es denn erlaubt? Ist es für uns wirklich erlaubt, wenn wir unser Ego, unseren Magen über das Wohlbefinden eines Geschöpf Gottes stellen?

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Auch sagte der Prophet Muhammed (s.a) folgendes: ” Meidet den übermäßigen Verzehr von Fleisch, denn es beinhaltet Schaden, ähnlich dem Schaden des berauschenden Getränks.” ( Al Muwatta)

Sollten wir nicht darüber nachdenken? Auch wir Muslime. Müssen wir uns nicht fragen, ob wir mit jedem Schluck Milch, solche Bilder in kauf nehmen müssen? Ich habe mich wirklich oft gefragt wieso das so ist. Wieso heutzutage alles ausarten muss. Doch die Antwort darauf zu finden ist alles andere als schwer. Ein Blick in unsere Gesellschaft reicht. Es ist die Gier. Die Gier des Menschen. Der immer mehr will. Der niemals satt wird. Niemals satt daran, alles zu haben. Ein kurzer Gedanke daran, wie viele Menschen pro Tag Milch, Eier und Fleisch konsumieren. Wie ich damals mit einer Selbstverständlichkeit.  Bei so einer Menge, bei solch einem Konsum, wie soll das Ganze da noch artgerecht ablaufen? Ich merke erst jetzt wie sehr alles ausartet. Hat man keine Milch im Kühlschrank wird man komisch angesehen. Wieso überhaupt? Wieso ist es schon so normal geworden? Wieso wird nicht behutsam damit umgegangen und so getan, als würde Milch wie Unkraut im Garten wachsen?

Kuhmilch ist Muttermilch. Muttermilch die eine Kuh in ihren Eutern produziert für ihr Kalb. Nicht nur für uns. Wie wir wissen, erlaubt der Islam nachdem das Kalb sich satt getrunken hat, die Fingernägel kurz sind, sich zu bedienen. Doch schaut für euch das obere Bild so aus, als ob hier die Fingernägel kurz waren?

Maschinen ziehen die Milch aus den Eutern. Das Kalb wird nach der Geburt sofort von der Mutter entrissen. Es könnte ja ein Schluck “unserer” Milch wegtrinken. Videos wie die Kuh nach ihrem Kalb schreit, Tränen in den Augen hat, findet ihr leider genug. Können wir da noch mit reinem Gewissen zulangen?

Mit dem Thema Halal Schlachtung ist es nicht anders. Es gibt bestimmte Regeln an die man sich halten muss, damit man es HALAL nennen darf. Und auch bei mir hat es länger gedauert, genau das zu akzeptieren, und es mir nicht bequem auf der Aussage zu machen, dass die anderen dafür gerade stehen müssen. Nein. Ich bin Mitschuld. Mitschuld wenn jeden Tag Fleisch auf meinem Teller landet.

WAS GEHÖRT ALLES ZU HALAL?

  • Das Tier darf nicht neben einem anderen Tier getötet werden.
  • Das Tier darf nicht das Messer sehen.
  • Das Tier darf nicht krank oder verletzt sein.
  • Das Tier darf keinem Stress ausgesetzt werden.
  • und noch so vieles mehr.

Es würde jetzt den Ramen sprengen wenn ich anfangen würde, unzählig viele Videos und Bilder zu posten, selbst auf “Halal” Schlachthöfen, wo einfach jede Regel missachtet und ignoriert wird. Einfach Bismillah zu sagen ist nicht alles. Ich selbst habe die Bekanntschaft mit einem Menschen machen dürfen, der in einem anderen Land die Tiere “Halal” geschlachtet hat. In einem Gespräch durfte ich dann erfahren, dass es gar nicht mehr möglich sei, auf all diese Regeln zu achten. Die Zeit und der Platz würde fehlen. Schließlich muss so viel Gewinn wie möglich gemacht werden.

Spürt ihr wie es ausartet, weil wir vergessen nicht gierig zu sein?

IST DAS DIE GEWÜNSCHTE BARMHERZIGKEIT GEGENÜBER DEN GESCHÖPFEN DES SCHÖPFERS?

Ich kann für meinen Teil nicht wegsehen, wenn ich von mir behaupte, dass ich meinen Glauben liebe. Denn wenn ich meinen Glauben liebe, dann liebe ich meinen Schöpfer. Liebe ich meinen Schöpfer, so liebe ich seine Geschöpfe. Wird Schmerz seinen Geschöpfen hinzugefügt egal ob Mensch oder Tier, darf ich nicht wegsehen. Zurück zu eurer Frage. Muslima und Vegan. Geht das?! Und jetzt wisst ihr: In der heutigen Zeit, vielleicht gerade deshalb!

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 Der Geliebte Prophet Muhammed (s.a) sagt: „ Wer von euch etwas Schlechtes sieht, der soll es mit (der Kraft) seiner Hand ändern. Und wenn er das nicht vermag, dann mit den Worten seiner Zunge. Und wenn er auch das nicht vermag, dann mit Wunsch seines Herzens. Und dies ist das Schwächste an Glauben.“

Genau deshalb liegt es mir am Herzen euch das ein oder andere näher bringen. Mit leckeren Rezepten. Ohne etwas zu vermissen. Am Ende entscheidet allerdings jeder selbst. Unser Kaufkonsum bestimmt wie weit die Menschen gehen, die nur an das große Geld denken. Ich möchte diese Ungerechtigkeit nicht in meinem Namen unterstützen. Unterstütze du sie auch nicht. Sei Barmherzig. Hab die Kontrolle über dich selbst. Sei kein Sklave. Kein Sklave deiner eigenen Begierden. Füge niemandem Leid hinzu. Nicht dir selbst, nicht deinem nächsten. Ich konnte euch hoffentlich einen kleinen Einblick darüber geben, was ich mir selbst eingestehen musste. Recherchiert, lest nacht. Nur Wissen erweitert den Horizont. Nur Wissen kann Wunden heilen. Nur Wissen und Barmherzigkeit führt zu aufrichtiger Liebe.

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SEID BARMHERZIG ZUEINANDER. Und denkt daran. Jeder noch so kleine Schritt, ist ein Schritt in eine bessere Richtung. 

 

 

 

 

 

 

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